Westweg 2019 – Tag 7

Tag 7: Samstag, 3. August 2019, Etappenende bei Kilometer 196
Brend bis Titisee (33,5 km, plus Suche in Titisee ca. 6 km)

In der Nacht ist es total warm, aber das Roto-Fenster lässt sich nur öffnen, wenn man groß genug ist. Die Jungs schnarchen um die Wette.

Frühstück gibt es ab 8 Uhr. Wenn man schon um 6 Uhr wach wird und nicht mal Netz hat, ärgert man sich ein bisschen über die verlorene Zeit, die man in der freien Natur nicht hätte, weil man dann einfach einpacken und losgehen würde.

Frühstück

Vom Naturfreundehaus in Brend ist man ziemlich schnell am Brend-Turm.

Der Weg führt uns danach am „Goldenen Raben“ vorbei, von dem uns zwei Wanderer gesagt haben, dass wir da unbedingt rein müssen. Wir befolgen diesen Rat gern, da das überschaubare Frühstück ohne Cappuccino auskommen musste. In dem Haus scheint die Zeit stillzustehen und wir dürfen am Stammtisch sitzen, umringt von einer Menge uriger Deko. Nach diesem kurzen Stopp kommen wir im Wald an ein paar netten Schnitzereien vorbei.

Zur perfekten Mittagszeit erreichen wir die „Kalte Herberge“ und setzen vorher Benni noch von unserem Versorgungsfluch in Kenntnis. Das Schild „durchgehend warme Küche“ lässt uns aber aufatmen und wir freuen uns schon auf das erste Weizen des Tages. Unsere Gesichter entgleisen etwas, als wir das nächste Schild mit der Aufschrift „Geöffnet ab 15 Uhr“ sehen. So, wo ist die versteckte Kamera?

Wir gehen etwas frustriert weiter. Über radikal abgeholzte Flächen und an einer Straße entlang kommen wir einer weiteren Einkehrmöglichkeit näher. Kik macht Witze über Ruhetage und sonstige widrige Umstände, aber Benni meint, sie soll nicht so pessimistisch sein. Am Berggasthaus Lachenhäusle angekommen schlägt allerdings die Realität zu. Das Restaurant hat offensichtlich schon seit längerem nicht mehr geöffnet. Viele Autofahrer halten an dem schön gelegenen Platz und können es genau wie wir nicht fassen. Kurzerhand machen wir ein Picknick mit ein bisschen Wurst und Käse.

Schließlich finden wir doch noch ein geöffnetes Restaurant und auch wenn wir uns an den falschen Tisch setzen und damit den Unmut der Bedienung auf uns ziehen, bekommen wir hier etwas zu essen und gönnen uns noch ein Eis hinterher.

Es ist schon Nachmittag und wir haben noch keinen Plan für unsere heutige Übernachtung. Die erste Möglichkeit hat eine nette Aussicht, aber ist noch etwas früh und reizt uns nicht wirklich. Die zweite Hütte ist genau wie die erste, nur dass hier die Aussicht fehlt. Das ist ja auch irgendwie doof. So richtig gemütlich wäre das zu viert nicht geworden. Wie wäre es denn, wenn wir noch bis Titisee laufen und da auf einen Campingplatz gehen? Hm, klingt machbar. Im Wald kommen wir an einem Naturfreundehaus vorbei, aber wir wollen nicht, dass Benni denkt, wir machen es immer so und er will ja sicher auch mal mit uns draußen schlafen.

Gegen 19 Uhr erreichen wir Titisee und sind alle schon ziemlich fertig. Wir laufen durch die Stadt und finden irgendwann am Ortsausgang eine Hütte, deren Unterstand vorn für die Nacht gehen würde. Jetzt haben wir aber noch nichts gegessen. Also wieder zurück an den See. Samstags abends in der Touristenhochburg Titisee rechnen wir uns gute Chancen aus und finden auch ein Lokal direkt am See. Bei der Bestellung erfahren wir allerdings, dass die Küche gerade geschlossen wurde. Also weiter. Wir haben plötzlich alle Lust auf Pizza. Das Schild dort „Küche zu“ hätte für uns aber nicht noch die Übersetzung „closed“ gebraucht.

Es gibt noch eine weitere Pizzeria, aber die ist so voll, dass es Essen nur noch zum Mitnehmen gibt und das scheint auch eher länger zu dauern. Mal wieder etwas frustriert erinnern wir uns an den Plan mit dem Campingplatz. Da wird es doch auch etwas zu essen geben. Also wieder die ganze Strecke zurück zum Ortsausgang, an der Hütte vorbei und immer immer weiter. Der Campingplatz scheint ewig weit weg zu sein.

Als wir endlich ankommen, steht ein Stuhl mit einem Schild am Eingang: „belegt – complet“. Das ist uns jetzt egal! Wir sind für heute fertig und bleiben hier. Oli bekommt den Auftrag, den Platzwart davon zu überzeugen. Der ist glücklicherweise nett und lässt uns irgendwo am Rand schlafen, dem einzigen ebenen und freien Plätzchen, welches es noch gibt. Am See ist heute ein kleines Seenachtsfest mit Liveband.
Wir sind ein bisschen müde und das Bier vom Fass tut sein Übriges.

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