Westweg 2019 – Tag 5

Tag 5: Donnerstag, 1. August 2019, Etappenende bei Kilometer 136
Lettstädter  Hütte bis Hasemannhütte, ca. 6 km hinter Hausach (31 km)

Um 5 Uhr werden wilde Vermutungen ausgesprochen, dass unter der Bank ein schmatzender Igel sitzt. Dies kann mit einem Foto widerlegt werden und da wir schon mal wach sind, stehen wir bald auf und packen die Sachen zusammen. Das Licht ist toll so früh am Morgen.

Der Julius Brunnen tropft leider nur noch sehr langsam vor sich hin und auch der nächste Brunnen am Freiersberger Tor tropft nur geringfügig schneller. Zur Abwechslung ist der Westwegstempel hier mal schräg eingebaut. Kann es denn so schwer sein? *augenroll*

Im Wald ist wieder geschäftiges Treiben und wir müssen uns zwischen zwei großen Harvestern durchquetschen. Als Nächstes sollte das Jägerbrünnle kommen, aber dieses scheint gar nicht mehr zu existieren. Wir träumen wieder von der Cappuccinomaschine. Am Ende des Waldes stehen drei große Stühle. Die zehn Sekunden des Selbstauslösers werden nicht reichen, um uns beide rechtzeitig sitzend aufs Foto zu bekommen, also reicht auch, dass es einer trotz diverser Schmerzen schafft, da hoch zu kommen.

Der Harkhof ist in der Nähe. Da dies ein gängiges Etappenziel mit Matratzenlager ist, rechnen wir uns eine Chance auf Frühstück aus. Für Durchreisende ist das zwar etwas mager, aber immerhin gibt es Cappuccino und das dringend benötigte frische Wasser haben die auch.

Der Weg führt uns nun wieder hoch, denn natürlich liegen solche Höfe immer in irgendeiner Senke, zu der man beschwerlich absteigen muss. An den Kühen vorbei geht es ab jetzt nur noch bergauf und bergab – hoch – runter – hoch – runter – hoch – noch höher – wieder runter – wieder hoch.  Uff!

Am Hohenlochen gibt es eine Hütte, die heute leider nicht bewirtschaftet ist, aber einen netten Ausblick bietet. Außerdem wäre hier eine perfekte Unterkunft für uns, wenn es nicht erst Mittag wäre und wir noch einiges vor uns hätten.

Die Spitzfelsenhütte hoch oben über und mit Blick auf Hausach wäre ebenfalls eine nette Übernachtungsstation, aber wir haben in Hausach noch eine Verabredung. Der steile Abstieg in die Stadt macht uns nach dem vielen Hoch und Runter richtig fertig. In der Apotheke kaufen wir erstmal Blasenpflaster nach. Ein paar Häuser bzw. eine Tankstelle weiter steht das Kinzigtaltor Hausach, wo wir just in time wieder auf unser Versorgungsmobil samt Oli stoßen. Schnell die verschwitzten T-Shirts tauschen, was sich eigentlich nach zehn Minuten Marsch in der Sonne auch schon wieder erledigt, aber man hat es wenigstens versucht.

Auf das Wiedersehen trinken wir erstmal zusammen ein Weizen. Es ist mittlerweile 17 Uhr, aber wir sind relativ entspannt, da die für heute geplante Hütte Platz für einige Wanderer bietet und wir daher nicht noch rennen müssen. Das wäre bei der zurückliegenden Tortur sowieso nicht mehr drin. Da Oli noch total frisch ist, macht er einen kleinen Abstecher zum Laden um die Ecke und besorgt etwas Wein. Wir gehen schon mal vor, bergauf natürlich. Der Hausacher Bergsteig ist nichts für Weicheier und die erhoffte Hütte kommt und kommt nicht. Auf gefühlten 3.000 Metern kommen wir endlich oben an der Hasemannhütte an und treffen nur noch den Udo mit seinem Hund, da sein Försterkumpel Rolf verletzungsbedingt aufgeben musste. Außerdem kommen kurz danach noch Holger und Martijn aus den Niederlanden.

Die Hütte ist wie erwartet geräumig und hat einen großen Dachboden. Zum Glück gibt es dort kein Licht, so dass man nicht so gut erkennt, wie es da aussieht. Wir richten uns oben ein und verbringen alle zusammen einen richtig netten Abend vor der Hütte, der von plötzlich auftretenden kleinen, schwarzen Käfern spontan beendet wird. Ungefähr zur gleichen Zeit kommen in der Dämmerung noch zwei weitere Wanderer an: Ein älterer Mann, der eigentlich kein Wort sagt, und ein Typ in Badeschlappen mit etwas merkwürdigen Lebensumständen.

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