Westweg 2019 – Tag 11

Tag 11: Mittwoch, 7. August 2019, Etappenende bei Kilometer 285
Baselblickhütte bis Basel und dann heim (20,5 km)

Der Wecker war auf 6 Uhr gestellt. So richtig gut haben wir beide nicht geschlafen, da es auch wieder viel zu warm gewesen ist. Generell hatten wir uns auf kältere Nächte eingestellt und so war unser Equipment auf diese Temperaturen einfach nicht ausgelegt. Es fängt kurz an zu regnen, hört aber wieder auf. Wir packen ein, essen unsere letzten Müsliriegel und laufen los.

Da das Wetter heute mies angesagt ist, ziehen wir gleich unsere Regenponchos über und sehen damit bei dem strahlenden Sonnenschein ziemlich dämlich aus. Der Westweg führt in Wollbach natürlich an keinem Bäcker vorbei und suchen wollen wir jetzt auch nicht noch.

Nach ca. 5 km fängt es wie erwartet an zu regnen. An der Burg Rötteln vorbei, von der wir im Dauerregen nur ein kurzes Foto im Schutz des Ponchos machen, erreichen wir das letzte Portal in Lörrach. Auch hier und auf dem weiteren Weg fällt das Fotografieren leider etwas spärlicher aus, da es aus Eimern schüttet.

Zwischendurch hört es nur kurz auf zu regnen und wir sehen noch zwei Rehe auf einem Feld.

Der Blick auf Basel verheißt nichts Gutes, ab jetzt bleibt es den Rest des Tages nicht mehr trocken.
Fast übersehen wir die Landesgrenze, die von der deutschen Seite aus überhaupt nicht und wenn man sich zufällig zum richtigen Zeitpunkt umdreht, in der Schweiz nur mit einem kleinen Schild kenntlich gemacht ist.

Mit der guten Ausschilderung ist es vorbei. Der Reiseführer mit der genauen Wegbeschreibung ist im Rucksack unter Poncho und Regenschutz. Beim Nachschauen wird man noch nasser als vorher schon. Die spärlichen Schilder mit Hinweis auf den Bahnhof sind mit Zeitangaben versehen, wobei es uns so vorkommt, als wären die eher für Radfahrer. Im Dauerregen laufen wir einen endlos wirkenden Weg am Fluss „Wiese“ entlang.

Ursprünglich war geplant, vielleicht noch eine Nacht in Basel zu bleiben, aber jetzt wollen wir einfach nur noch nach Hause. Es kommt die Frage auf, ob Bahnhöfe auch Ruhetage haben können oder es heute vielleicht Streiks in der Schweiz gibt, von denen wir noch nichts wissen.
Ein Tierpark erscheint und wir erinnern uns an dessen Erwähnung auf dem Plan. Es wäre aber wohl zu viel verlangt, einen Hinweis auf den Westweg oder die Richtung zum Bahnhof anzubringen. Bei schönem Wetter könnte man jetzt noch ein paar Tiere angucken, aber im Dauerregen verliert die Anlage viel von ihrem Reiz.
Irgendwann erreichen wir endlich unser unspektakuläres Ziel, den Badischen Bahnhof in Basel.

Wie schön muss es sein, wenn man den Weg in die andere Richtung wandert und dann am Schluss durch die „Goldene Pforte“ in Pforzheim läuft (mit Abschlussweizen im Kupferhammer nebenan). Uns erwartet aber kein Portal, nur Regen und ein Schild am Eingang des Gebäudes, welches auf den Westweg hindeutet.

Die Frau an der Info sucht uns den nächsten Zug nach Hause raus. Wir zweifeln etwas an ihrer Wahl, da uns das Internet auch andere Möglichkeiten anbietet, aber da vertrauen wir jetzt mal drauf. Es bleibt noch eine Stunde Zeit. Am Automaten kaufen wir ein Baden-Württemberg-Ticket für zwei Personen. Mit 30 EUR ist das ein fairer Preis wie wir finden.

Der erste Zug nach Offenburg fährt um 12:48 Uhr los. Allerdings steht dieser in Freiburg ewig rum und wartet. Eine Durchsage klärt irgendwann auf: „Wegen polizeilicher Ermittlungen im Zug verzögert sich die Weiterfahrt.“ Na prima! Uns ist jetzt schon klar, dass wir alle Anschlusszüge verpassen werden. Wenigstens gibt es Netz, so dass man sich schon mal die neuen Abfahrtszeiten raussuchen kann.

Die guten Wanderstiefel von Kik haben dem Dauerregen nicht standgehalten und sind leider komplett nass. Nun werden die Füße langsam kalt und verlangen nach anderen Socken. Wir haben zwar noch trockene dabei, aber wohlriechend sind die nicht. Egal, besser als zu frieren.

Die Fahrt geht weiter. Wieder eine Durchsage: „Weil wir so viel Verspätung haben, fährt dieser Zug heute nicht bis Offenburg, sondern nur bis Lahr.“ Das hat jetzt doch ein bisschen was von Ruhetag. Wir kommentieren mit einer Passage aus dem Song der Wise Guys „Senk ju for träveling wis Deutsche Bahn!“.

Also noch mal umsteigen. In Offenburg bekommen wir gerade noch so den Zug nach Karlsruhe und dort auch nur knapp den nach Pforzheim. Hier haben wir dann noch mal einen längeren Aufenthalt und kaufen erstmal Milchshakes und Burger. Diese Möglichkeit hätten wir uns auch für die Wanderung mal irgendwo gewünscht.

Um kurz vor 18 Uhr werden wir schließlich an unserem Zielbahnhof abgeholt (Danke Moni!). Wenig später sind wir wieder zuhause und das ist für heute gut so. Jetzt erstmal baden, die knapp 4.000 Fotos auf dem Rechner sichern und einen fetten Cappuccino trinken, den wir uns nach diesem Tag wirklich verdient haben.

Schon ein paar Tage später sind die Schmerzen und Entbehrungen der insgesamt dann doch über 300 Kilometer langen Wanderung vergessen und wir würden am liebsten gleich wieder los, um den Ost- oder Mittelweg zu laufen. Leider müssen wir das aber erstmal auf unbestimmte Zeit verschieben.