Westweg 2019 – Tag 10

Tag 10: Dienstag, 6. August 2019, Etappenende bei Kilometer 264,5
Richtstatthütte bis Baselblickhütte, 5 km hinter Kandern (30,5 km)

Gegen 6.30 Uhr werden wir wach. Erstaunlicherweise regnet es schon nicht mehr, obwohl das ganz anders vorhergesagt war. Wir packen unser Zeug und gehen los. Heute steht „Wandern nach Kandern“ auf dem Programm. Der aufsteigende Nebel lässt uns immer wieder anhalten und Fotos machen.

Auf einem kleinen Hügel am Weg steht eine Kapelle zum Gedenken an Pfarrer Strohmeyer, der dort am Ende des zweiten Weltkriegs ermordet wurde.

Wir kommen an ein Restaurant, welches auf Frühstück hoffen lässt, aber der aufmerksame Leser ahnt es schon: Die haben dienstags Ruhetag. Der nun folgende Anstieg zum Blauen hoch ist anstrengend. Unterwegs ist eine Waldwirtschaft des Schwarzwaldvereins ausgeschildert, aber es gibt mal wieder eine Umleitung wegen Baumfällarbeiten, die uns geschickt um diese Einkehrmöglichkeit herumleitet.

Weil es in dieser Region nahezu keine funktionierenden Brunnen mehr gibt und sonst ja alles zu ist, haben wir mittlerweile fast kein Wasser mehr und nur noch ein bisschen vertrocknetes Brot der letzten Tage.

Oben auf dem Blauen angekommen steigen wir erstmal auf den Turm, welcher mit 1.165 m angegeben ist. Man hat einen tollen Blick und kann in der Ferne schon Basel sehen. Das Restaurant hat hier glücklicherweise geöffnet und so gönnen wir uns zwei Stücke teuren Kuchen und dazu Cappuccino.

Der weitere Weg führt an ein paar netten Schutzhütten vorbei und zwischen dem Gestrüpp am Rand rascheln überall Eidechsen.

Gegen 15:30 Uhr erreichen wir Kandern. Wir haben so Lust auf eine Pizza und daher vorher extra noch die Suchmaschine befragt, ob es eine gibt, die offen hat. Voller Vorfreude gehen wir auf die Pizzeria an einem kleinen Platz voller Blumen zu und können es schon wieder nicht glauben. Entgegen der Internet-Info haben die nämlich heute … RUHETAG. Wir finden es mittlerweile eigentlich total komisch und gehen dann halt in die Dönerbude, die wir auf dem Weg hierher als Notlösung bezeichnet hatten. Der Dönerteller macht uns satt und müde, aber wir haben noch ein bisschen Strecke vor uns.

Kurz vor dem Ortsausgang kommen wir an dem zweiten der beiden erwähnten Läden vorbei, die quasi direkt am Westweg liegen. Hier kaufen wir noch einmal überschaubaren Proviant, da wir ja eigentlich nicht mehr viel brauchen.

Nun geht es mal wieder bergauf, aber an tollen Felsen in der Wolfsschlucht vorbei. Obwohl Regen ab 16 Uhr angesagt ist, scheint die Sonne wie verrückt. Irgendwann sehen wir nicht weit entfernt einen Hof, der ein bisschen nach Wirtschaft aussieht. Natürlich haben die geschlossen und auch der Selbstbedienungsladen vor dem Haus hat zwar zwei riesige Kühlschränke, aber nichts zu trinken darin. Wir überreden einen Angestellten, der gerade auf dem Hof arbeitet, uns zwei Flaschen eiskalten Sprudel zu verkaufen. Damit rettet er uns noch einmal den Tag.

So erfrischt kommen wir gegen 18:30 Uhr an der Baselblickhütte an. Das Schild sagt, dass es von hier aus nur noch 20 Kilometer bis Basel sind. Die Hütte ist super und wird sofort bezogen. Wenn man den Tisch im Inneren ordentlich putzt, sieht der wie ein Seziertisch aus und ist dankenswerterweise auch mal so breit, dass man drauf schlafen kann. Bald fängt es an zu regnen und wir legen uns hin.

Wenn man nicht schlafen kann, fragt man sich, warum eine Kirchturmuhr unbedingt auch nachts läuten muss, aber so wissen wir, dass kurz nach Mitternacht irgendwo im Wald ein Schuss fiel. Wilde Vorstellungen von Jägern, die den Seziertisch für ihre erlegte Beute nutzen, lassen Kik nicht schlafen. Irgendwann später hören wir noch merkwürdige Geräusche von einer Gruppe Tiere im Wald, die sich offensichtlich unweit unserer Hütte unterhält. Markus meint das wären Rehe und leider kommen wir nicht auf die Idee, die Laute aufzunehmen. (Zuhause wird es dann eine ganze Weile dauern, bis wir herausfinden, dass es wohl ein paar Waldkäuze waren.)

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