Ostweg 2020

Nachdem wir letztes Jahr den Westweg gelaufen sind, blieb uns für dieses Jahr die Wahl zwischen Mittel- und Ostweg. Da wir recht direkt am Ostweg wohnen, haben wir uns für diesen entschieden.

Der Weg führte dieses Mal von Pforzheim nach Schaffhausen. Mit etwas mehr Erfahrung im Fernwandern sahen wir uns ganz gut gerüstet. Das Jahr war dank Corona ja ohnehin schon etwas schwierig in der Planung, umso mehr hatte es uns und die Kinder gefreut, dass das Jugend-Schwarzwaldferiencamp in Hinterzarten stattfinden konnte. Somit war auch für uns der Weg frei für den Ostweg.

Das Wetter war bis zum Start der Tour sehr schön. Die Betonung liegt auf „war“, denn die ersten Tage waren dann recht verregnet. Alles in allem waren wir am Ende vom Ostweg recht enttäuscht. Im Vergleich zum Westweg fehlen die echten Highlights. Große Höhen kann man nicht erklimmen und die Wege sind meistens breit ausgebaute Gerätewege aus Schotter oder Beton.

Tag 1

Samstag, 29.08.2020, Etappe von Pforzheim nach Monakam, 21,6 km

Den ersten Tag sollte man gemächlich angehen. An das Gewicht des Rucksacks und das lange Laufen muss man sich erst gewöhnen. Deshalb beschließen wir, die erste Nacht sehr gemütlich zu Hause zu verbringen und nur bis Monakam zu laufen.

Gestartet wird wieder beim Kupferhammer, zu dem wir dankenswerterweise gefahren wurden. Der Weg entlang der Würm ist gleichzeitig auch der Hauptwanderweg Nr. 5 des Albvereins, der Richtung Allgäu führt.

In Ort Würm selbst glauben wir beim Anblick der geschlossenen Restaurants schon wieder an eine Verschwörung gegen uns. Das sollte dieses Mal aber kein Problem werden. Der Weg selbst ist wenig anstrengend und wir kommen gut voran.

Wir laufen an Ruine Liebeneck vorbei Richtung Hamberg, wo wir eine kleine Pause im „Grünen Wald“ machen. Dort wird eigenes Bier gebraut und es gibt ein erstes Weizen. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, wir belassen es mal bei dem einen. Dafür ist das Essen hervorragend.

Gesättigt geht es weiter zur Burg Steinegg und, an der Wendelinuskapelle vorbei, über die Felder nach Neuhausen.

Jetzt ist´s nur noch ein Katzensprung. Wir laufen Richtung Monbachtal und nach dem Monbachbrückle verlassen wir den Ostweg, um gemütlich zu Hause im Bett zu schlafen.

Tag 2

Sonntag, 30.08.2020, Etappe von Monakam nach Wart, 31,7 km

Angesagt sind 20 Stunden Regen. Wir laufen also bereits mit Regenponcho und Gamaschen los. Bis zum Ende des Tages werden wir das auch nicht mehr ablegen. Weil wir wissen, dass die Etappe anstrengend wird, beschließen wir, das Monbachtal auszulassen. Das sollte man normalerweise nicht machen, weil es wirklich einer der schönsten Streckenabschnitte ist, aber wir kennen den Weg in- und auswendig, so dass wir heute mal die Abkürzung über den Kirchweg laufen.

Der Kurpark in Liebenzell ist so früh morgens noch leer, am Ufer der Nagold huscht ein kleiner Eisvogel vorbei. Es geht weiter an der Nagold entlang nach Ernstmühl. Dort macht der Weg einen Schlenker Richtung Wolfschlucht. Wir wir bald lernen müssen, macht der Ostweg viele Schlenker hin zu netten Ausflugszielen, ohne sie tatsächlich zu erreichen. Statt die Wolfsschlucht zu laufen, biegen wir ab und laufen weiter Richtung Calw.

In Hirsau führt der Weg am Kloster vorbei. Und zwar wörtlich: man sieht das Kloster nur aus der Ferne, da müsste man schon Umwege laufen, um sich das anzuschauen. Stattdessen läuft man weiter auf dem Höhenweg nach Calw. Dort angekommen, geht es in die Altstadt und auf den wunderschönen Marktplatz. Ach nein, natürlich nicht. Auch da läuft man vorbei und den Berg hoch an der Schule vorbei zum Gimpelstein. Vorher wird aber noch beim Bäcker gefrühstückt, wer weiß, wann es wieder was zu essen gibt.

Nach dem Gimpelstein kommen wir zum Schafott und weiter nach Zavelstein. Wir überlegen kurz, ob wir im Wanderheim essen wollen, entschließen uns aber, lieber noch weiter zu laufen. Der Weg führt ausnahmsweise mal wirklich durch den schönen Teil von Zavelstein bis zur Ruine. Von dort geht es steil bergab nach Bad Teinach. An der Therme verlieren wir, trotz intensiver Suche, den Wegweiser und laufen ein klein wenig anders als gedacht. Es regnet immer noch und wir beneiden die Badegäste im warmen Thermalbad.

Anschließend geht es wieder bergauf über Liebelsberg nach Neubulach. Jetzt haben wir Hunger. Es geht ins Rössle, wo es *Überraschung* ein Weizen gibt und Linsen mit Spätzle. Das tut gut!

Jetzt ist es nicht mehr weit und wir laufen bis Wart, wo unsere Schutzhütte steht. Zum Glück wissen wir, dass die für eine Übernachtung taugt. Wir sind mittlerweile recht nass, trotz Poncho und eigentlich guter Regenausrüstung. Es ist zwar nicht besonders kalt, aber die Nacht kommt ja noch. Wir bauen unser Lager auf und sind mit Sonnenuntergang noch vor 21 Uhr eingeschlafen.

Tag 3

Montag, 31.08.2020, Etappe von Wart nach Musbach, 28,4 km

Die Nacht war kalt. Den Wecker haben wir uns auf 6 Uhr gestellt, aber wir bleiben bis 6:30 Uhr liegen, weil es noch zu dunkel ist. Heute soll das Wetter laut Vorhersage etwas besser werden. Wir starten so gegen 7:30 Uhr; das Zusammenpacken dauert noch etwas länger, auch das wird im Laufe der Tour besser.

Erstes Teilziel ist Berneck, ein sehr hübsches Örtchen mit einer beeindruckenden Burgmauer. Den eigentlichen historischen Ort oder die Burg sieht man natürlich wieder nicht, der Ostweg geht im Tal vorbei.

Die nächste Station ist somit Altensteig. Ein wirklich schöner Ort mit verwinkelten Gässchen und viel Fachwerk. Unten im Ort gibt es Frühstück: Cappuccino und süße Stückle. Noch dazu scheint gerade die Sonne. So lässt es sich aushalten!

Nach der Mahlzeit geht es an der Nagold und an einem kleinen Mühlkanal parallel zum Fluss entlang Richtung Pfalzgrafenweiler. An der Kohlmühle folgen wir weiter dem Zinsbach, bis wir schließlich in der Stadt ankommen. Dort wird erst einmal Sprudel gekauft, erstens, weil es besser schmeckt als Wasser und zweitens, weil die Brunnen bis jetzt rar gesät sind. In Pfalzgrafenweiler gibt es Pizza und *tada* Weizen. Die Pizzeria macht demnächst zu, also lieber beeilen. Als wir wieder draußen sind, merken wir, dass unsere Wanderstöcke noch im Restaurant weilen. Der Laden hat aber schon zu. Zum Glück werden wir bemerkt und können die Stöcke noch holen.

Frisch gestärkt geht es durch viel Waldgebiet nach Musbach. Am Ortsende soll ein Unterstand sein, der uns als Übernachtungsmöglichkeit dienen könnte. Dort angekommen sehen wir, dass es ein großer Grill- und Festplatz ist. Der Unterstand ist etwas größer und wird vermutlich eher für die Dorffeste genutzt. Egal, keiner da und es fängt schon wieder an zu regnen. Der Boden ist gut, die Bänke kann man zu einem Bett zusammenstellen.

Tag 4

Montag, 01.09.2020, Etappe von Musbach nach Alpirsbach, 24,7 km

Ab heute soll das Wetter toll werden. Hieß es gestern noch. Heute heißt es: Dauerregen. Das drückt die Stimmung schon etwas. Noch dazu war die Nacht wieder sehr kalt.

Es hilft nichts, wir laufen los. Schon kurz nach dem Start kommen wir an einer Kuhweide vorbei, die durch einen Elektrozaun geschützt ist. Der Durchgang am Wanderweg ist so schmal, dass man mit Rucksack nicht durchpasst. Das heißt: Rucksack absetzen, durchgehen, den 15-kg-Rucksack über den Zaun hieven, zum nächsten Tor laufen, gleiches Prozedere. So etwas nervt. Die Kühe wären da ohnehin nicht hingekommen, und so ist es nur Schikane für Wanderer.

Es geht weiter und wir erreichen bald Freudenstadt. Dort ist der angeblich größte Marktplatz Deutschlands. Der in Heide ist genauso groß, also hat man sich darauf geeinigt, dass Freudenstadt den größten bebauten Marktplatz hat. Was so viel heißt wie: hier stehen Häuser, eine große Straße teilt den Platz und alles in allem wirkt der Platz im Vergleich zu Heide winzig. Naja … in Heide ist auch wirklich Markt auf dem Platz. Ich würde sagen, klarer Sieg an Dithmarschen.

Wir drehen eine Runde um den Platz und frühstücken bei einem kleinen Bäcker. Dann geht es weiter bergauf an einem kleinen Park vorbei, auf dem Bienenhotels errichtet wurden. Die sehen zwar schick aus, aber offenbar hatte da keiner Ahnung von Bienen. Dementsprechend waren sie auch nicht besiedelt. Der Friedrichsturm ist leider geschlossen und so geht es weiter durch den Wald nach Schömberg.

Dort stehen ein paar alte Brunnen, die bei Renovierungsarbeiten gefunden wurden. Allerdings nur Zierbrunnen, Wasser gibt es hier keines. Wir laufen weiter, während der Regen immer stärker wird. Jetzt geht es zudem noch unangenehm bergab. Die Füße brennen schon, als wir in Alpirsbach ankommen. Unser Plan war, eine kleine Hütte auf der anderen Bergseite aufzusuchen. Wenn die nichts sein sollte, wäre noch weiter oben eine brauchbare Hütte. Die Schutzhütten bisher waren oft verschlossen oder nicht zum Übernachten geeignet. Sollen wir das Risiko eingehen? Etliche Höhenmeter liegen vor uns. Wir überlegen uns Plan B und gehen zur Touristinfo. Dort wird uns ein kleines Zimmer im Alpirsbacher Hof gebucht. Der ist nicht mehr der modernste und das Zimmer ist klein, aber unschlagbar günstig und für uns gerade absolut perfekt. Es gibt eine Dusche und ein gemütliches Bett, und das wichtigste: wir werden nicht nass!

Zum Essen gehen wir dann aber doch zurück zur Löwen-Post, weil ich da diesen Braumeister-Burger gesehen hab, und jetzt will ich den unbedingt haben. Gesagt, getan. Dazu gibt es selbstredend hiesiges Weizen.

Die Nacht wird diesmal warm und gemütlich. Tut auch mal gut.

Tag 5

Dienstag, 02.09.2020, Etappe von Alpirsbach nach Mönchweiler, 26,6 km

Heute wird ordentlich gefrühstückt. Ein kurzer Blick auf die Karte – oha. Da haben wir uns aber viel vorgenommen. Laut Plan sind es um die 37 km. Wir sind noch etwas geschafft vom vielen Regen gestern und beschließen kurzerhand, zu mogeln: wir fahren einfach mit dem Bus bis Aichhalden. Das Stück bis dorthin sind gut 11 km, und zwar bergauf. Durch die Übernachtung haben wir die Busfahrt frei, warum also nicht mal ein bisschen Urlaub im Urlaub. Gesagt, getan. Unsere Etappe beginnt also in Aichhalden und führt uns zunächst nach Schramberg. Dort geht es wieder steil bergab, dafür sehen wir eine sehr schöne Altstadt. Die Baustellen zwingen uns allerdings, Umwege zu laufen, die natürlich nicht ausgeschildert sind.

Am Ende von Schramberg geht es wieder bergauf und wir haben das erste Mal so etwas wie Schwarzwald-Berg-Feeling. Auf der Hochfläche oben geht es an viel landwirtschaftlichen Äckern vorbei Richtung Königsfeld.

Unterwegs kommen wir an Burg Waldau vorbei. Am Eingang zahlen wir brav die 40 Cent Eintritt, um dann 5 Meter weiter vor verschlossenen Toren zu stehen. Weiter geht es nach Königsfeld, wo wir einen Blick auf das Albert-Schweitzer-Haus werfen.

Die Wetterprognosen sind jetzt eindeutig: der Regen hört auf! Also schnell zur Post und die Regensachen im Paket nach Hause schicken. Unnötig zu erwähnen, dass es kurz danach wieder anfängt zu nieseln.

Wir finden zwei Schutzhütten – die eine offen, die andere verschlossen aber mit großem Vordach. Die sieht deutlich besser aus als die offene, in der zumindest zeitweise auch jemand anderes wohnt. Wir nehmen die schickere und legen uns auf den Vorplatz. Der Sonnenuntergang ist schön, wir essen noch ein paar Cracker und um 20.30 Uhr ist der Biwaksack zu.

Tag 6

Mittwoch, 03.09.2020, Etappe von Mönchweiler nach Sunthausen, 28,7 km

Der Tag beginnt mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Wir packen unsere Sachen und machen uns auf den Weg. Gleich zu Beginn überraschen wir ein paar Rehe.

In Mönchweiler selbst wollen wir frühstücken, finden aber nichts passendes und laufen weiter. Im Wald am Uhufelsen grüßt uns eine Ordensschwester, die uns kurz darauf noch einmal trifft und zu einem Kaffee einlädt. Das ist sehr lieb, würde uns aber doch zu sehr aufhalten, so dass wir dankend ablehnen. Stattdessen gibt es ein Rennfrühstück in Villingen. Auch hier geht der Ostweg natürlich nicht durch die schöne Altstadt, sondern außen vorbei. Wir ignorieren die Beschilderung und schauen zumindest mal einen Teil der Altstadt an.

Aus Villingen raus geht es durch ein Villenviertel bergauf zum Aussichtsturm „auf der Wanne“.

Wir begeben uns wieder auf württembergische Seite Richtung Schwenningen, allerdings geht es südlich daran im Wald an Rot- und Schwarzwildgehegen vorbei. Weder Rot- noch Schwarzwild konnten wir entdecken.

Der kleine Schlenker nach Zollhaus zur alten Zollgrenze zwischen Württemberg und Baden muss sein, auch wenn der Ostweg das mal wieder gekonnt umschiffen würde.

Das Schwenninger Moos im Anschluss ist sehenswert: eine tolle Moorlandschaft.

Etwas weiter kommen wir zum Waldcafe. Dort wollen wir essen, es sollte aber nur für ein Weizen und ein Stück Kuchen reichen. Zunächst werden wir von einer Horde rüpelhafter älterer Radfahrer aus der Schweiz abgedrängt. Die sind auch gegenüber dem Kellner nicht gerade freundlich, so das dieser uns den schönen Terassenplatz in der Sonne gibt und die Schweizer ins Innere schickt.

Der weitere Weg ist gekennzeichnet von großen Feldern und eher unspektakulären Aussichten. Wir kommen am späten Nachmittag am Campingplatz Sunthauser See an, wo wir schon im Vorfeld eine Übernachtung in einem Fass gebucht haben. Wir essen am Platz, duschen und genießen das Bett im Holzfass.

Tag 7

Donnerstag, 04.09.2020, Etappe von Sunthausen nach Hondingen, 29,7 km

Gut ausgeschlafen machen wir uns gleich um 8 zum Frühstück auf. Außer uns ist so früh(?) noch keiner unterwegs. Wir können also in Ruhe essen. Bei sonnigem Wetter geht es zunächst durch ein Feriendorf bei Öfingen. Lauter kleine Häuschen an noch kleineren Straßen. Sieht ein bisschen aus wie eine Modellstadt.

Nach Öfingen laufen wir entlang eines Hangs mit Blick zur A81, bevor es wieder in den Wald geht. Dort oben finden wir eine prima Hütte zum Übernachten, nur leider zur falschen Zeit. Wieder bergab unterqueren wir die Autobahn und kommen nach Geisingen. Es ist kurz vor 14 Uhr und wir haben Hunger. Eine kleine Pizzeria wirbt mit einem „Biergarten“-Schild. Also geht´s einmal durch den Laden und hinten raus auf eine kleine Terrasse. Das Restaurant macht gleich zu, aber wir bekommen trotzdem noch eine schnelle Pizza. Frischt gestärkt geht es zuerst den Wartenberg rauf und anschließend sehr unangenehm, weil steil, betoniert und sehr gerade wieder bergab nach Gutmadingen. Dort erhoffen wir uns einen Laden, um unseren Sprudel wieder aufzufüllen. Nach der Überquerung der Donau finden wir aber leider so gar nichts, und im Gegensatz zum Beginn unserer Tour ist es jetzt sehr warm und wir bekommen Durst.

Nach Gutmadingen kommt – nichts. Nur viel Wald. Wir kommen an der Wendthütte vorbei. Die ist aber zum Nächtigen nicht gut geeignet und uns sind zu viele Hundebesitzer unterwegs. Aber da soll ja noch eine Hütte kommen. Also geht es weiter zur „Neuen Hütte“. Klingt vielversprechend, entpuppt sich aber als sehr alte und vor allem verschlossene Hütte. Gebaut wurde sie 1927. So viel zum Thema neu.

Auf dem kleinen Vorplatz ist gerade mal so viel Platz, dass wir die Biwaksäcke aneinander vorbei hinlegen können. Davor fege ich den Platz noch etwas sauber. Die Nacht wird sehr laut: Mäuse rascheln unter, ein Marder in der Hütte. Dazu sind überall Waldkauze, die offenbar viel Redebedarf haben. Mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages muss auch ein Eichelhäher noch Lärm machen.

Zu allem Überfluss ist es jetzt auch richtig warm. Kaum ist die Sonne weg, kommen die Stechmücken. Wir schwitzen in den Biwaksäcken und freuen uns über die Fliegengitter am Kopfteil.

Tag 8

Freitag, 05.09.2020, Etappe von Hondingen nach Stühlingen, 25 km

Die Nacht war ungemütlich. Wir stehen früh auf und schauen, dass wir weiterkommen. Im nächsten Ort Hondingen gibt es keinen Laden, auch kein Cafe. So müssen wir weiterlaufen bis Blumberg. Wir verlassen den Ostweg, um in Blumberg mal wieder Sprudel und ein kleines Frühstück zu kaufen.

Erstmals begegnen uns Wanderer mit größeren Rucksäcken. Die laufen alle den Schluchtensteig. Ein bisschen bin ich froh, dass wir nicht ganz so viele Mitwanderer auf dem Ostweg haben. Ich kaufe mir schnell noch ein T-Shirt. Es hat sich geruchstechnisch gerade angeboten.

Aus Blumberg heraus suche ich den richtigen Weg. Wir sehen, dass es viel schöner ist, am Schleifenbach entlang zu den dortigen Wasserfällen zu laufen. Die Stahlleiter ist etwas schwierig zu gehen mit dem Gewicht des Rucksacks, noch dazu ist es sehr rutschig. Der Umweg lohnt sich aber trotzdem. Endlich mal ein Natur-Highlight.

Weiter geht es an einer kleinen Landstraße entlang, die sich auf und ab und links und rechts windet. Das sieht hübsch aus und begeistert auch viele Rennradfahrer, die uns begegnen. Irgendwann biegt der Weg rechts ab zu den Wutachflühen. Die Wutach sieht man dort übrigens nicht. Dafür viel Fels und viel Wald und einen schwierig zu laufenden Pfad. Mit dem großen Rucksack bleibt man immer wieder am Fels hängen und wird aus dem Gleichgewicht gebracht. Stürzen sollte man hier nicht, zumindest nicht mit solchem Gepäck.

Der Weg kreuzt die Bahnstrecke der Sauschwänzle-Bahn, deren Endbahnhof in Weizen unser nächstes Ziel ist. Vorher kehren wir aber noch im Gasthaus Wutachschlucht ein. Dort gibt es Corona-bedingt nur eine kleine Auswahl für den Biergarten, aber uns genügt das vollkommen.

Den Bahnhof Weizen erreichen wir dann, wie geplant, kurz bevor die Sauschwänzlebahn eintrifft. Wir freuen uns auf ein Weizen in Weizen. Es gibt aber nur Pils. Wie kann das sein? Dann lieber nichts.

Na gut, es ist ja nicht mehr weit bis Stühlingen. Auf der Schweizer Seite habe ich nur eine einzige Hütte ausmachen können, die in Frage käme. Aber die liegt auch noch nahe an den Weinhängen. Ist es überhaupt eine Schutzhütte? Wir überlegen hin und her und beschließen dann – schon wieder – mal in der Krone nach einem Zimmer zu fragen. Wir haben Glück: zwei Einzelzimmer sind noch frei. Wir nehmen zu zweit ein Einzelzimmer. Das Bett ist groß genug für uns beide. Zudem hat das Zimmer einen kleinen, verglasten Balkon, auf dem wir die Sachen trocknen und lüften können.

Fehlt nur noch was zu essen. Direkt nebenan ist ein Burgerladen, der einladend aussieht. Leider schon voll ausgebucht. Wir gehen etwas weiter und kommen „zum Zapfhahn“. Dort gibt es leckere Röstis, auch wenn Kiks Rösti zwei Anläufe braucht. Aber geschmeckt hat es super!

Tag 9

Samstag, 06.09.2020, Etappe von Stühlingen nach Schaffhausen und zu den Rheinfällen, 37,1 km

Wie zu erwarten ist die Nacht sehr erholsam. Wir frühstücken im Hotel und machen uns trotzdem früh auf zu unserer letzten Etappe. Direkt nach Stühlingen gehen wir über die Grenze und verfehlen auch gleich mal die Hütte auf Schweizer Seite, die wir eigentlich für den Vortag geplant hatten. Der nächste Ort Schleitheim sieht hübsch aus, allerdings auch etwas zerfallen.

Jetzt geht es noch ein letztes Mal richtig bergauf. Wir laufen zunächst an Feldern und Wiesen vorbei zum Randenturm. Der wird natürlich erklommen. Ab jetzt geht es nur noch bergab, und zwar ziemlich lang, bis wir in Schaffhausen ankommen. Wir müssen ein wenig suchen, um den Ostweg nicht aus Versehen zu verlassen. Am Bahnhof angekommen, sind wir, wie schon beim Westweg, überwältigt von der Kreativität, mit der man das Ende eines Fernwanderwegs kennzeichen kann. Es gibt schlicht nichts. Am Westweg gab es wenigstens noch eine Tafel. Beim Ostweg hat man sich sogar das noch gespart.

Na gut. Wir hatten im Vorfeld schon eine Unterkunft in der Altstadt gebucht. Da geht´s jetzt hin. Wir laden unser Gepäck ab und laufen gleich wieder los. Ohne die schweren Rucksäcke fällt uns das gleich viel leichter. Wir laufen auf der linken Rheinseite bis zu den Rheinfällen. Dort geht es über die Brücke und anschließend wieder auf der anderen Rheinseite zurück zur Unterkunft. Wir sind müde und freuen uns auf ein weiches Bett. Den Wein zum Abschluss gönnen wir uns trotzdem.

Am nächsten Tag gibt es noch Sightseeing in Schaffhausen. Besonders der Munot ist sehenswert. Die Rückfahrt mit den Nahverkehrszügen gestaltet sich deutlich einfacher als von Basel aus und wir kommen nur leicht müffelnd wieder zu Hause an.

Fazit

Unser Urteil: der Weg lohnt sich nicht. Der erste Teil von Pforzheim bis Pfalzgrafenweiler ist noch recht hübsch und hat was zu bieten. Danach kommt aber nur stundenlanges Laufen auf Beton- oder Gerätewegen, meist durch Kulturlandschaften durch, oft einfach nur durch Wald. Links und rechts Fichten anschauen kann ich überall. Was dem Ostweg fehlt, sind die grandiosen Aussichten wie sie der Westweg vielfach hat. Auch so kleine Dinge wie die Portale gibt es am Ostweg nicht.

Das Übernachten in Hütten war ebenso schwierig. Es gibt kaum offene Hütten, die dafür geeignet wären. Außerdem kommt man sehr viel häufiger als auf dem Westweg durch Ortschaften und Städte. Durch die Nähe zu den Orten sind auch an den Hütten viele Gassigänger, Radfahrer und Jogger unterwegs.

Nur, um stur viele Kilometer abzuspulen, läuft man sicherlich keinen Fernwanderweg. Hier müsste an der Streckenführung noch einiges passieren, um den Weg attraktiver zu machen.