Isle of Man 2005

Tag 1: 20. August 2005

Auch die weiteste Reise beginnt mit dem ersten Schritt …

…sagt Konfuzius. Der hatte auch kein Motorrad. Für Kik beginnt die Reise schon am 19. August im Auto. Sie muss erstmal von Rendsburg (Schleswig-Holstein, also quasi Nordpol) nach Stuttgart fahren. Dort steht ihr Motorrad. Meins auch. Ich finde das prima so. Hab ich schon mehr Zeit zum Packen.

Am Samstag, dem 20. August, geht es dann aber richtig los. Unsere Motorräder sind von Yamaha, Typ SR 500, Baujahr 88 und 78. Kein E-Starter, kleiner Tank und kaum Platz für das viele Gepäck. Ich muss sogar meinen Hochleistungshaarfön™ zu Hause lassen. Die zwei Koffer (schwäbisch Köffer) links und rechts sind eher für Moto-Guzzis mit Ausmaßen eines Kleinlasters entworfen und wirken etwas fehlplatziert. Egal, Hauptsache es passt ’ne Menge rein. Hätte ich das ganze vorher mal ausprobiert, würden wir jetzt nicht schon eine Dreiviertelstunde vor dem Haus stehen und den Träger nachjustieren, damit die Streben nicht die ganze Zeit gegen die Federbeine schlagen.

8.45 Uhr: Endlich geht es los! Die Maschinen springen auf den ersten Tritt an (gelogen). Auf nach Calais! Schlappe 780 km liegen im Regen vor uns. Wir entscheiden uns aus patriotischen Gründen Frankreich zu meiden. So hangeln wir uns an der Grenze durch Luxemburg und Belgien bis zur Küste. In Luxemburg wird natürlich getankt! Trotz Bemühungen, Euromünzen von dort zu bekommen, reicht es nur für ein hiesiges 5-Cent Stück. Immerhin! Mit dem Gepäck schluckt meine SR bei 120 km/h über 6 Liter auf 100 km, so dass wir alle 140 km nach Tankstellen Ausschau halten. Die letzten 50 km müssen wir doch durch Frankreich, was hauptsächlich daran liegt, dass Calais genau dort liegt. Kann es auch nichts für. Gegen 19 Uhr kommen wir klitschnass an, erkundigen uns nach dem Verfahren zum Eintauschen der Internettickets und richten unsere Schlafstätte im Terminalgebäude ein.

Die Fähre geht erst morgens um 10 Uhr. Mit solchen Motorrädern kann man nicht so knapp kalkulieren. Es kann immer was kaputt gehen, deshalb lieber 15 Stunden Reserve einplanen.

Tag 2: 21. August 2005

Schmuddelwetter

Morgens im Fährhafen aufzustehen fällt erstaunlich leicht. Die sanfte Hintergundmusik verstummt auch morgens um 4 Uhr nicht, die dunklen Gestalten stören uns nur anfangs. Der Besucherstrom am nächsten Morgen schon eher. Also schnell alles zusammenpacken, nach den SRs gucken und warten. Unsere Fähre braucht ja noch ’ne Weile.

Gegen 9 Uhr beschließen wir, zur Check-In Booth zu fahren. Diese Teile sind für Autos gemacht. Umständlich ziehe ich meine immer noch nassen Handschuhe aus und krame die Personalausweise hervor. Danach noch das Ticket einlösen und schon können wir uns in die Schlange der Wartenden einordnen. Nicht lange und wir dürfen auf die Fähre. Das ist immer Stress! Die Knöpfchendrücker unter den Motorradfahrern verstehen das nicht. Aber wenn jemand meint, es müsse schnell gehen, und der Kickstarter kann den Motor nicht davon überzeugen, dass ein selbständiges Drehen zur Fortbewegung durchaus nützlich sein könnte, dann kommt schnell die ein oder andere Schweißperle auf der Stirn zum Vorschein. Es klappt aber alles, unsere SRs springen auf den ersten Tritt an (schon wieder gelogen).

Da wir mit die ersten auf der Fähre sind, können wir uns schön vorne an die Scheibe setzen, um die ganzen Ausmaße des Schmuddelwetters zu begutachten. Erstmal ’ne heiße Schokolade! Wir zahlen in Euro und bekommen als Wechselgeld die ersten Pfundstücke. Die Überfahrt ist wenig spannend, dauert trotzdem eineinhalb Stunden. Dank der Zeitverschiebung sind es aber offiziell nur 30 Minuten. Carpe Diem!

Das Wetter ist hüben wie drüben miserabel. Hilft ja nichts, da müssen wir durch. Unser heutiges Etappenziel ist nahe Cambridge. Unser ADAC-Campingführer bietet nur eine Handvoll Plätze zur Auswahl an, also auf zu jenem. Kurz hinter Dover dann das Wunder: der Himmel reißt auf: Sonne! Das Linksfahren ist kein Problem, zumindest ist es nicht so gefährlich wie in Deutschland.

In Cambridge müssen wir erstmal suchen, wo denn der Campingplatz tatsächlich ist. Gar nicht so einfach! Nach einer Weile finden wir ihn und stellen überrascht fest, dass man als Nichtmitglied im Club gleich mal 5 Pfund extra zahlen muss und zwar jedesmal auf jedem Campingplatz. Na, da werden wir doch gleich mal Mitglied im Camping und Caravanning Club. Kostet nur 10 Pfund für beide, lohnt sich ja schon nach zwei Plätzen (Schwabenrechnung, geht ganz schnell). Der Platz ist echt schön, die Dusche auch (endlich mal Wasser von oben, das man genießen kann). Den Cappuccino haben wir uns auch verdient. Der Gepäckträger an der SR muss noch mal neu justiert werden, die Kaltverformung des einen Elements war nur bedingt vertrauenserweckend. Beunruhigend fand ich die Löcher im Mantel von Kiks Reifen. Richtig tief, als wäre sie über ein Messer gefahren. Hoffentlich hält das! Lustig auch, wie lange es hell bleibt. Vor allem, wenn man die Uhr eine Stunde vordreht statt zurück.

Tag 3: 22. August 2005

I’m singing in the rain!

Morgens um 8 Uhr ist die Welt noch in Ordnung, der Himmel ist bewölkt, aber noch ist es trocken. Na, erstmal frühstücken, dann Zelt zusammenpacken. Welch‘ fatale Fehlentscheidung! Im Regen wringen wir das Zelt zu einer getränkten Wurst und pressen es in den Packsack. Über die wasserdichte Verpackung meiner Kleidung mittels gelber Säcke mache ich mir schon lange keine Gedanken mehr. Wir tröpfeln vor zur Rezeption, machen unsere Clubmitgliedschaft noch klar und fahren dann los. Kik ist motzig. Man merkt das daran, dass der Regen auf ihrem Gesicht nur kurz aufzischt und dann verkocht zurück in den Himmel steigt.

Auf der Autobahn geht’s kaum vorwärts. Der kleine schwarze Drecksack (so heißt meine Motorrad seit den Tagen, als es lieber mit dem ADAC als mit Kik fahren wollte) schafft nur noch schlappe 85 km/h. Der große Rennluftfilter zieht neben viel Luft auch viel Wasser. An der Tanke bauen wir ihm einen Schutz aus IKEA-Teller und dem Seitendeckel von Kiks SR. Komisch, original ist das durchaus sinnvoll!

Wir fahren vorbei an Newark-on-Trent, Nottingham, Mansfield, Chesterfield und Sheffield. Letzteres sah auf der Karte irgendwie kleiner aus. Von dort geht es über kleinere Straßen nach Glossop. Sehr schön zu fahren (A57). Rings um uns blühen lilafarbene Blumen, die wir auch auf der Isle of Man sehen werden.

Naja, besser als grau! Kik hätte gern angehalten, um ein Photo zu machen. Ich konzentriere mich lieber auf den nächsten Bremspunkt, um nicht von den schönen Blümchen ungewollt aufgefangen zu werden. In Glossop vorbei fahren wir kurz auf der B6105 zum Campingplatz. Der ist klein, nicht so schön wie der erste, aber wir
kriegen ja Rabatt. Wir bleiben! Der Besitzer ist nicht da, nur ein Zettel prangt an der Türe, wir könnten zelten wo immer wir wollen. Ok! Eigentlich wollen wir zwei Nächte bleiben, aber es gibt hier ungefähr eine Trilliarde kleiner Mücken, die fiese Stiche hinterlassen. Wir essen im Vorzelt und töten knapp 1378 dieser
Mücken, bevor uns erneuter Regen von der Plage befreit. Die Nacht wird richtig kalt- für Kik – ich hab ja vernünftige Ausrüstung.

Tag 4: 23. August 2005

Diebe! *meckermotz*

Nach der kühlen Nacht regnet es zumindest am Morgen mal nicht. Das Frühstück besteht wie immer aus Müsliriegeln und Cappuccino. Wir entschließen uns, trotz Mücken doch lieber zwei Tage zu bleiben, weil auch der nächste Campingplatz nicht fern von Gewässern und dadurch die Mückengefahr dort mindestens genauso hoch ist. Als wir den Campingplatzbesitzer endlich treffen, kann der unsere neu erworbene Mitgliedsnummer nicht verwenden. Die Tante auf dem anderen Platz hatte sich wohl verschrieben. Für mich wäre das wieder mal das Ende des Lieds gewesen, aber zum Glück hab ich ja Kik dabei, die alle Quittungen sorgfältigst aufbewahrt. Dort steht natürlich auch die richtige Nummer drauf und wir können unseren Clubvorteil voll nutzen. Die paar Sonnenstrahlen, die uns entgegenkommen, trocknen unsere durchnässte Kleidung auf der kleinen Steinmauer. Ein zweites Frühstück kommt genau richtig und wir finden auch noch Zeit für ein kleines Damespiel. Ich gewinn, ist ja klar. Kik ist sauer. (Kik hat aber beim Mensch-Ärger-Dich-Nicht gewonnen!)

Gegen Mittag fahren wir nach Glossop und stellen unsere SRs auf den Tesco-Parkplatz. Der ist schließlich bewacht, es gibt tausende von Leuten die aufpassen – vorsichtshalber doch noch die Kette um die Räder. In der Stadt suchen wir verzweifelt einen Pub, in dem man was essen kann. Engländer essen aber nichts. Zumindest nicht mittags. Und wenn doch, dann nichts Vernünftiges. Abends auch nicht. Egal! Nach einer Weile finden wir doch noch einen Pub und essen Chips and Cheese und Burger. Die Bartante setzt ein paar Radaumacher neben uns gleich mal an die frische Luft. Immer wieder schön zu beobachten, wie höflich und nett Briten aussehen, wenn sie böse sind.

Weil der Himmel nach Regen aussieht, tanken wir noch schnell und fahren zurück zum Campingplatz. Es bleibt aber trocken. Um wenigstens etwas nass zu werden, folgen wir dem Pfad zur Dusche. Was wir noch nicht wissen: Mir wurden die schönen, Yamaha-Logo-tragenden Ventilkappen an beiden Rädern abgeschraubt. AAAArrrghll!!!

Tag 5: 24. August 2005

Ankunft auf der Isle of Man

Heute stehen wir schon um 6 Uhr auf. Unsere Fähre fährt – laut Kik – um 12.15 Uhr in Liverpool ab. In der Nacht hat ein Sturm getobt, morgens empfängt uns wie gewohnt Regen. Wir fahren um 7 Uhr los, das sollte eigentlich reichen, um die Fähre zu kriegen. Bei Kik geht kurz nach dem Losfahren die Tachowelle ab. Kein Problem, hat sie schnell repariert. Die Fahrt bis zur M10 entpuppt sich als  Geduldsspiel. Der Berufsverkehr schleppt sich langsam die Hügel hoch und runter. Neben der Strecke sehen wir eine freilaufende Kuh und einen großen Hund, der im Müll wühlt und ein kleines Chaos auf der Straße anrichtet. Ich finde das amüsant, ist schließlich weder unser Hund noch unsere Straße.

Endlich erreichen wir die Autobahn Richtung Manchester. Jetzt ist RICHTIG Stau! Irgendwie habe ich ein ungutes Gefühl. Aber hey, wir haben schließlich viel Zeit für Pannen eingeplant. Bei Liverpool ein Schild: All Docks (Birkenhead). Drüber steht aber Liverpool. Kann ich ahnen, dass Liverpool und Birkenhead zusammengehören? Wir fahren also erstmal vorbei, rein nach Liverpool. Dort gibt es einen schönen Tunnel, der gebührenpflichtig ist. Zum Glück aber nicht für Motorräder. Trotzdem müssen wir da jetzt durch, weil Umdrehen auf der Autobahn auch in England nicht gern gesehen wird. Auf der anderen Seite angekommen drehen wir schnell. Das Schild »Ferries« ignorieren wir. Wir müssen ja nach Birkenhead!

Also wieder durch den Tunnel und nach einigem Suchen sind wir am Dock nach Dublin angekommen. Von der Isle of Man keine Spur. Wir fragen die Damen an der Rezeption. Na klar! Wieder durch den Tunnel und auf der anderen Seite den Schildern »Ferries« folgen. Ich überspring mal die Irrfahrten durch den Tunnel. Das Schild IOM-Ferries steht ungefähr 10 Meter vor dem dazugehörigen Hafen und zeigt nach links. Fährt man links, sieht man die Altstadt von Liverpool. Ich fange an, britische Beschilderungen zu hassen. Wenn man ankommen will, muss man einfach immer genau das machen, was nicht auf den Schildern steht. Am Dock fahren wir auch erst vorbei. Es ist ein kleines Häuschen in einer Kurve. Egal, wir haben es gefunden und es ist gerade erst 10 Uhr. Eine Menge Leute sind schon da. Seltsam!

Ich löse unsere Internettickets am Schalter ein. Die gute Frau hinterm Tresen erklärt mir, dass die Fähre Verspätung hat. Ich verstehe sie erst im dritten Anlauf. Liverpool-Englisch klingt, als ob ein besoffener Schwabe versucht, Plattdeutsch zu reden. Irgendwas wie »Ferriarileyd« kam aus ihrem Mund. Naja, durch Mitdenken und Raten kann man drauf kommen. Ich frage sie, wann die Fähren denn nun abfahren. Die Antwort mit dem zufriedenen Grinsen meines Gegenübers schreckt mich so ab, dass ich lieber nicht nochmal frage.
Irgendwas von nach 12 hat sie wohl gesagt. Na und? Ist doch im Plan… oder… warte mal. Kik? Wann fährt die Fähre? 12.15 Uhr? Dann schau mal auf die Tickets. 10.30 Uhr wäre richtig gewesen. Zum Glück hat die Fähre Verspätung! Auf dem Weg zum Dock fällt mir dann auch endlich auf, dass mir meine Ventilkappen fehlen. Es regnet. Ich bin sauer!

Die Fähre ist prima. Es gibt ein Video mit Eddie Murphy ohne Ton und leckere Pizza. Danach noch einen Film mit Gorillas. Die »moderate to rough sea« merkt man beinahe nicht. Gegen 16 Uhr kommen wir auf der Insel an. Wie immer auf Fähren machen einige ihre Karren schon 20 Minuten vor der Ankunft an. Einer hat’s besonders eilig und maneuvriert wichtig in der Gegend rum. Fast macht er sich dabei noch lang. Die zwei RD350 blasen mir zehn Minuten lang Abgase in die Nase. Ich fall fast um. Dann ist der Weg frei.

Irgendwie hat das was von Omaha Beach. Bloß schnell weg hier! Wir fahren auf direktem Weg zu unserem Campingplatz und bauen unser Zelt auf. Außer uns ist nur noch eine Familie da. Les, der Besitzer des Campingplatzes, ist noch nicht da. Aber da ich uns angekündigt habe, ist es schon ok, mal alles vorzubereiten. Schließlich haben wir noch was vor.
Gerade als wir wieder nach Douglas, der Hauptstadt der Isle of Man, fahren wollen, kommt uns Les entgegen und begrüßt uns wie immer: »Oh, the bloody Germans«. Wir reden kurz und müssen aber auch gleich los Richtung Hauptstadt. Dort angekommen gehen wir direkt zur Villa Marina und besorgen uns Tickets für das ausverkaufte abendliche Konzert mit Don McLean. Wir bekommen gute
Restkarten, die reserviert waren, aber nicht abgeholt wurden. Abgesehen von einer besoffenen Irren, die vor uns tanzt, ist das  Konzert auch richtig gut. Die Vorband heißt »Backdoor Slam« und die Jungs können trotz ihres durchschnittlichen Alters von 18 Jahren richtig gut rocken.

Nach dem Konzert verlassen wir hundemüde Douglas und fahren zurück zum Campingplatz. Ich glaube, ich bin noch vor dem Zelt eingeschlafen.

Tag 6: 25. August 2005

Begrüßung der Feen

Gegen Mittag werden wir wieder wach. Der Tag gestern war eher anstrengend. Das Prasseln des Regens auf unser Zelt lässt die Entscheidung, noch ein bisschen zu dösen, leicht fallen. Als wir uns dann endlich aus dem Zelt wagen, sehen wir einen wolkenlosen Himmel und Sonnenschein. Jetzt wird erstmal geschraubt. Der hässliche Gepäckträger muss zumindest für die Tage auf der Insel ab. Danach machen wir das, was man eigentlich gleich nach Ankunft auf der Insel tun sollte: die Feen begrüßen.

Die wohnen unter der Fairy Bridge. Wir hängen unsere obligatorischen Wunschzettel an den Baum, wobei Kiks Wunschzettel ca. 9 DIN-A 4 Seiten umfasst. Meine Wünsche passen auf einen kleinen Zettel. Porsche ist aber auch ein kurzes Wort!

Wo wir gerade auf dem Weg sind, schauen wir auch noch in Castletown vorbei. Dort treffen wir ganz unverhofft zwei SR-Fahrer. Natürlich beide aus Bremen, in GB gibt es solche Motorräder nicht oft. Nachdem wieder leichter Regen einsetzt, entschließen wir uns, zum Pub nach Creg-Ny-Baa zu fahren und was zu Mampfen einzuwerfen.

Ich bestelle einen Homemade Burger und bekomme ihn billiger, weil die Homemades ausverkauft sind. Das ist ein toller Trick, den ich noch von der letzten Reise kenne. Im Creg gibt es nämlich meiner Theorie nach gar keine Homemade Burger und man bekommt dann die gekauften immer billiger. Das freut mich als Schwaben.

Abends sehen wir dann das erste Renntraining. Die Einteilung versteh´ ich bis heute nicht, aber die Motorräder sind leicht zu unterscheiden. Ultra-Lightweight machen iouuuuuouuu, die Classics machen BRRAAAAAAATZ.

Tag 7: 26. August 2005

Alle wollen nur verkaufen, keiner will kaufen…

Morgens geht’s erstmal Richtung Ramsey. Dort kaufen wir wichtige Sachen ein, sowas wie Aufkleber, Patches und so. Anschließend fahren wir das erste Mal in die Berge und halten natürlich an Murray’s Motorcycle Museum. Immer wieder sehenswert, was da so in den Ecken rumsteht. Weil es oben ganz schön windig ist und die Temperaturen noch nicht so richtig wollen, trinken wir heiße Schokolade und treffen zwei Hannoveraner, die am nächsten Tag schon wieder los müssen. Einer von beiden will uns gleich seine SR verkaufen. Das passiert uns während der Tour noch ein paar Mal. Aber wir wollen gar nicht noch mehr. Wo sollen die denn alle hin?

Vom Museum aus wählen wir das kleine Sträßchen nach Sulby. Wirklich nett zu fahren! Je kleiner die Straßen, desto schöner. Es gibt eine Menge von kleinsten Sträßchen auf der Insel, auf denen man selbst anderen Motorradfahrern kaum begegnet. Manchmal bekommt man den Eindruck, dass die meisten nur da sind, um Rennen zu schauen und sich in Douglas in Pubs die Kante zu geben.
Schade, die wissen gar nicht was ihnen entgeht! Von Sulby aus geht’s wieder auf die Rennstrecke zum Grandstand bei Start und Ziel. Dort tingeln wir durchs Fahrerlager und gegenüber der Rennstrecke über den Friedhof. Zurück bei den SRs finden wir einen Zettel auf Kiks SR. »Want to buy an SR 500? Call xxxx«steht da. Noch einer!

Wir entscheiden uns, das Abendessen in Form von Baguettes in Creg-Ny-Baa einzunehmen. Nach den Rennen, die man dort ganz gut sehen kann, fahren wir zurück zum Zeltplatz, halten unterwegs mal wieder an einem schönen Friedhof und spannen erstmal Kiks Kette. Die hängt da so rum. Also, die Kette. Nicht Kik.

Tag 8: 27. August 2005

Lady Isabella und das Tin Bath Race

Heute putzen wir die SRs. Das machen wir sonst nie, aber sie haben auf der Fahrt ordentlich gelitten und mit dem ganzen Siff rumzufahren ist uns dann auch zu ungemütlich. Außerdem besuchen wir heute eine Dame: Lady Isabella – das große Wasserrad in Laxey. Wenn man sich das Teil anschaut, ist man beeindruckt, weiß aber auch sofort, warum Briten nicht für ihre Ingenieurskunst bekannt sind.

Ein gigantisches Rad, 100 Meter Pleuel und am Ende ein kleines Pümpchen, das damit betrieben wird. Die Rundtour zu den Bergbauschächten dauert ein Weilchen, noch dazu bekomme ich beim Herabsteigen der Stufen des Rads erst einen Krampf im linken, dann im rechten Oberschenkel. So stehe ich auf der Treppe und kann weder hoch noch runter. In solchen Momenten, wo es schlimmer kaum kommen kann, ist Kik zur Stelle und macht Photos.

Anschließend schauen wir uns noch die hiesigen Wollfabriken an. Da diese nicht so groß sind, haben wir noch genug Zeit, zum Marine Drive in Douglas zu fahren. Der Weg ist kurvig, schön und – plötzlich zu Ende! Aber soviel sei verraten, wir haben das echte Ende doch noch gefunden, ein paar Tage später. Die schöne Promenade in Douglas wird in Zukunft wohl keine Nippesläden mehr bieten. Dort soll ein Medical-Centre entstehen. Warum weiß eigentlich keiner so genau.

Es gibt durchaus noch andere Rennen auf der Isle of Man. Heute ist eine offenbar wichtige internationale Meisterschaft in Castletown. Disziplinen sind das Wettrudern in Blechbadewannen und das Schwimmen in aneinandergeketteten Gummischläuchen. Im Rahmenprogramm springen mehr oder weniger Durchgeknallte in lustigen Kostümen einfach so in den Hafen.

Tag 9: 28. August 2005

ÖPNV und Douglas

Das öffentliche Nahverkehrssystem ist typisch Isle of Man: Es gibt noch elektrische Straßenbahnen von vor 100 Jahren, Dampfeisenbahnen und Pferdekutschen. LautRegierungsangaben sind das Verlustgeschäfte, was man beim Preis von 10 Pfund (15 Euro) für eine Tageskarte kaum glauben mag.

Weil das Wetter heute eher unfreundlich und uns das Motorradfahren bei solchen Witterungen langsam zuwider ist, bummeln wir in Douglas, kaufen T-Shirts und setzen uns am Ende der Horsetram in den Pub, um auf die letzte Bahn zu warten. Diesmal versuchen wir Okells Bitter. Genauso fad wie Guiness, nur heller. Für Achim kaufen wir an der Promenade noch seine Ohrringe, die er teilweise verloren hatte und auch nach ausgiebiger Suche in Thönys Haaren nicht wieder finden konnte.

Den Abend verbringen wir am Lagerfeuer, zusammen mit Julie, Dave und ihrem Sohn Ryan. Die drei sind aus Wales und waren auch schon vor zwei Jahren auf dem Campingplatz. Kein Wunder, zumindest Dave kommt zu fast jedem Rennen auf die Isle of Man. Ist ja nur ein Katzensprung. Nebenbei ist es ganz witzig wie er sich uns vorstellt:
»Hi, ich bin Dave. Wir hassen die Engländer.« Na, wichtige Dinge müssen einfach gleich gesagt werden.

Tag 10: 29. August 2005

Junk

Nach einer furchtbar stürmischen Nacht (also, äh, draußen) ist morgens wieder schöner, blauer Himmel und viel Sonne. Wir beschließen, heute das Training bei der Ballaugh Bridge anzuschauen. Wir fahren einen kleinen Umweg Richtung Norden und nehmen nur die kleinen Singletrack-Sträßchen, auf denen man fast keine Motorrad- oder Autofahrer sieht. Ich wunder mich mal wieder, was die ganzen Motorradtouristen eigentlich den ganzen Tag machen.

Kurz vor Ballaugh halten wir nochmal an einer Kirche mit Friedhof. Wir entdecken Gräber von 1770 und früher. Wow, nicht mal Beethoven hat da schon gelebt! Anfangs versucht man noch, nicht dort zu stehen, wo ein Skelett direkt unter einem liegt. Aber eben nur anfangs, weil man ohnehin nicht mehr sagen kann, wo Grab aufhört und Wiese anfängt.

Bei Ballaugh Bridge treffen wir wieder auf zwei Deutsche aus Frankfurt bzw. Baden, mit denen wir fröhlich quatschen und den Motorrädern im Rennen zusehen, wie sie über die Brücke springen.  Nach den Trainings fahren wir zu Jurby’s Junk Shop, einem gigantischen Krimskramsladen mit viel zu teuren Preisen. Beim Losfahren sorge ich noch für eine kleine Showeinlage. Das Schloss noch fest ums Hinterrad gewickelt komme ich gerade mal einen Meter weit, bevor ein Ruck mich an jene Wegfahrsperre erinnert. Vertuschen bringt jetzt nichts. Sowohl Kik als auch die zehn Motorradfahrer, die uns zuschauen, haben ihren Spaß. Ich hätt‘ mich verbeugen sollen.

Naja, schnell weg! Vielleicht erinnert sich mittlerweile keiner mehr an uns. Da wir schon im Norden sind, geht’s gleich weiter zum Point of Ayre. Zwei Briten rätseln in unserer Abwesenheit, welche SR denn nun mir und welche Kik gehört. Da meine tiefer ist, wird es als die Mädchenversion identifiziert. Frechheit! Zur Strafe müssen die beiden Photos von uns machen.

Zurück am Lagerfeuer wollen wir ein Spinat-Nudel-Zeugs machen. Stattdessen lernen wir Eierbomben kennen. Ein Ei ins Feuer gelegt explodiert nach einer Weile und verteilt sich großflächig in Haaren und Kleidern. Das Kichern der Waliser und Engländerfraktion im Hintergrund lässt keine Zweifel offen, wer für den Anschlag    verantwortlich ist. Danach verziehen wir uns in Richtung Pub nach Glen Mona. Dort versuchen wir neue Biersorten, sagen dem Wirt diesmal aber, dass wir sowohl Okells als auch Guiness Schei… nicht so gut finden. Er gibt uns Tennents, ein schottisches Lagerbier.

Und siehe da: Es schmeckt! Nach einiger Zeit kommen Les und die Waliser noch in den Pub und wir sitzen eine Weile zusammen. Weil Les heimfährt und ich mein Bier noch fast voll habe (was musste ich mich auch überreden lassen, noch eins zu nehmen?), muss ich auf Ex trinken, um die Mitfahrgelegenheit wahrzunehmen. Ich merke schnell, dass ein Pint mit 560ml eine nicht zu unterschätzende Menge Alkohol enthält. Einschlafen ist heute abend kein Problem. Zumindest nicht für mich.

Tag 11: 30. August 2005

Hot Chocolate

Morgens gibt es etwas Nieselregen. Naja, könnte schlimmer sein. Wir fahren nach Sulby entlang des gleichnamigen Flüsschens. Der Nieselregen wird stärker als wirin die Berge fahren. Plötzlich gibt es richtig dick Nebel und wir werden ordentlich nass. Kalt ist es obendrein auch noch. Trotzdem ist dieses Sträßchen, obwohl gut bekannt, sehr schön zu fahren. Wir fahren gleich durch nach Peel und Kirkmichael. Die zwei alten Leute auf ihren Zwanzigerjahre Maschinen, die mit Halbschalenhelm und Wollpulli ohne Licht unterwegs sind, haben sicherlich mehr zu meckern als wir. Schon geht’s leichter, Regen und Nebel zu ertragen.

In Peel gibt es erstmal eine große Portion Chips&Cheese, Cheeseburger und ’nen fetten Kakao. Die Bude am Hafen kann den richtig lecker machen, auch wenn’s auf den ersten Blick nicht so aussieht. Beim Umherlaufen treffen wir auf einen Briten, der uns gleich als »die SR-Fahrer« erkennt. Er hatte ja auch mal eine, und schon lernen wir wieder einen netten Menschen kennen.

Auf der Rücktour zum Zeltplatz machen wir Halt in Cregneash und anschließend in Niarbyl. Lang lebe Ned Devine!  Als wir ins Zelt gehen, sitzt an der Wand eine kleine Schnecke, aus der Kik natürlich sofort einen Elefanten macht. Gut, vielleicht hätte ich meinen Helm nicht stundenlang im Gras liegen lassen und dann unachtsam einfach ins Zelt werfen sollen. Aber es ist doch nur eine Schnecke! Entschuldigung, laut Kik natürlich eine 10 cm Nacktschnecke!

Tag 12: Wie viele Tage hat der September eigentlich?

Ums vorwegzunehmen: 30. Nichtsdestotrotz ist heute der 31. Tag des Augusts. Als wir wegen Rennverspätung also zum Sprintkurs nach Ramsey fahren, ist dort –  nichts. Das Rennen soll am 1. September sein, und da gestern der 30. August war und der September ja nur 30 Tage hat, muss heute ja auch der 1. September sein. Für uns beide ist das völlig logisch. Die anderen 200 Menschen, die wir erwartet haben, können unserer Logik wohl nur bedingt folgen.

Nach den dann stattfindenden normalen Rennen beschließen wir, unsere Wäsche im Waschsalon von Ramsey zu reinigen. Welch naiver Fehler! Die Waschmaschine braucht gerade mal eine Minute und zwölf Sekunden, um sämtliche Kleidung einfach nur klitschnass,
aber ungereinigt wieder in die Hände ihrer Reiniger zu entlassen. Die Trockner hingegen verschlingen die 20-Cent Stücke, als wären sie froh, nach 10 Jahren Ausdürstung wieder was in ihre geschlitzten Mäuler zu bekommen. Trocknen tun sie nicht. Aber sie machen die nasse Kleidung warm. Uns wundert es nicht, dass sich in
den zwei Stunden auch sonst keiner in den Laden verirrt.

Die Kleidung hängen wir dann vors Zelt, damit sie in der Sonne trocknen kann. Wenn sie denn rauskommen würde. Zum Abschluss des Tages fahren wir noch nach Creg-Ny-Baa, wo gerade eines der Classic-Bike-Meetings stattfindet. Dort sehen wir einige schöne, seltene Motorräder und eine Husqvarna-Truppe aus Schweden, die Werbung für ihr Museum macht. Sie schenken uns zuckersüße Lollipops. Ich steck meinen gleich ein, worauf Kik mir predigt, ich solle nicht vergessen, wo ich ihn hintu, weil es sonst eine Riesensauerei in der Kleidung gibt. Monate später hab ich ihn dann wieder gefunden. Er war immer noch in der Motorradjacke, die mittlerweile zweimal gewaschen wurde. Die Tasche lass‘ ich wohl in Zukunft besser zu.

Tag 13: 01. September 2005

Sprints und Furts

Nachdem gestern schon nicht der 1. September war, haben wir auch heute wenig Hoffnung. Ist aber so. Und Sprintrennen gibt es heute auch. Den Lärm, den eine turbogeladene XS 650 macht, kann man sich nur schwer vorstellen. Eigentlich ist es nicht einmal mehr schmerzhaft, man kann quasi genießen, wie der Überdruck am Ohr auch die Wahrnehmung über die Augen zitternd beeinträchtigt. Ich trete einen Schritt zurück. Besser ist das!

Gleichzeitig gibt es noch ein Classic-Bike-Rallye-Meeting, wo wir erfahren, dass wir mit unseren Maschinen auch mitfahren dürften. Naja, nächstes Mal! Wir schauen uns das Spektakel ein wenig an und fahren anschließend nach Port Cornaa und zu den Manx Crosses, die nicht einfach zu finden sind. Also zumindest nicht für mich. Dort bewegen wir uns in den Bergen auf kleinsten Sträßchen hoch und runter, auf denen höchstens schmale Autos Platz haben. Es geht vorbei an kleinen Häuschen durch eine Furt. Na gut, aus phototechnischen Gründen fahren wir so ein bis 73 mal durch die Furt. Dann wandern wir zum Ballaglass Glen, wobei die Wanderwege auf der Rücktour durch Umwege meinerseits im Schwierigkeitsgrad den Erfahrungen der Wanderer angepasst werden. Soll heißen: wir müssen uns durchs Unterholz auf längst überwachsenen Wanderwegen durch den Dschungel kämpfen und stellen nebenbei Szenen aus Blair Witch Project nach. Apocalypse now ist Kindergarten dagegen.

Tag 14: 02. September 2005

Pidgeon shooting is fun – except for the pidgeons…

Heute geht’s zum Grandstand bei Start und Ziel. Wir schauen uns das Rennen an und kaufen neue Ventilkappen in schickem Blau. Anschließend geht’s zu King Orry’s Grab, wo gar nicht King Orry liegt. Aha! Der war nur Namensgeber für etliche Dinge auf der Isle of Man, weil er zum bedeutendsten König dieser Insel bestimmt wurde. In dem Grab liegt Herr Unbekannt. Ich sage: Heute ein König!

Wir fahren weiter zum Gooseneck, der langsamen Rechtskurve, bevor es für die Renner richtig in die Berge geht. Bis zum Beginn des Rennens müssen wir noch einige Zeit in der Sonne verweilen, weil die Rennstrecke an einigen Stellen noch nass ist und erst auftrocknen muss.

Nach dem letzten Rennen des Tages brechen wir zum Blue Point im Norden der Insel auf, um Les und Ryan beim Tontaubenschießen zuzuschauen. Der Spruch aus der Überschrift stammt von Dave. Da waren wir uns auch erst nicht sicher, ob Tontauben oder echte gemeint sind.

Tag 15: 03. September 2005

Mit der SR zum Trial

Die Rennen sind vorbei, jetzt gibt es den Classic Trial. Wem das nichts sagt: hierbei handelt es sich um Geschicklichkeitsfahrten. Hierzulande findet sowas nur noch in abgesperrtem Gelände oder in der Halle statt, aber auf der Isle of Man gibt es das noch in der Ursprungsform. Man fährt von Sektion zu Sektion und bekommt so neben den Geschicklichkeitsproben auch noch was von der Insel zu sehen.

Für die Zuschauer ist es nicht immer einfach, den Trialfahrern zu folgen, weil auch die Wege zu den eigentlichen Sektionen oft quer durchs Gelände gehen, was dort für Pferde und Motorräder in aller Regel legal ist. Auf diese Weise finden wir auch das Ende des Marine Drives. Für das Absetzen des Fußes gibt es bei den Fahrten jeweils einen Fehlerpunkt und man kann maximal 5 Punkte pro Sektion kassieren. Gewonnen hat, wer am Ende die wenigsten Punkte gesammelt hat.  Dementsprechend gewinne ich auch den heutigen Tag.

Kik hat in einer Felddurchfahrt gleich 5 Punkte auf einmal kassiert. Details darf ich aber nicht verraten. Kik, leicht angesäuert über die Punkteausbeute, will jetzt lieber Rennstrecke fahren.

Wir haben wohl den verkehrsreichsten Tag überhaupt erwischt. Eine Stunde und fünf Minuten ist wohl neuer Negativrekord für die Runde über den Bergkurs. Abends treffen wir noch zwei Deutsche aus Schleswig-Holstein,  die in einem kleinen, grünen MG unterwegs sind. Sie erzählen uns von einem Teilemarkt im Süden Englands, den wir gleich in unsere Reiseplanung aufnehmen und bei dem wir die beiden auch wieder treffen.

Tag 16: 04. September 2005

Endloskette

Wie lange eine Kette halten kann, hat Kik heute bewiesen. Solche Haifischzähne hab ich selten gesehen. Zum Glück bin ich immer übervorsichtig und hab einen Kettensatz im Gepäck. Mit der Kette wäre nicht mal mehr die Fahrt bis zur Fähre drin gewesen.

Wenn wir schon beim Reparieren sind, kommt heute auch gleich der Gepäckträger wieder an meine SR. Übermorgen geht’s ja runter von der Insel.

Gegen Abend zieht es uns erneut in den Pub. Dort unterhält sich ein Pärchen, beide so um die 60, mit Freunden von der Isle of Man in einem lustigen Mix aus Deutsch und Englisch. Kik bietet der Runde an, ein Photo zu machen. Wir haben erst gemutmaßt, dass die beiden nur zum Wandern da sind und gar nichts von den Rennen wissen. Sie erinnern mich ein wenig an meine Verwandten aus Bayern. Aber so kann man sich täuschen!

Die beiden kommen seit 1965 hierher und immer mit Motorrad – außer dieses Mal. Neugierig fragen wir gleich nach dem Preis für den Flug, den die beiden genommen haben. Ab Frankfurt 370 Euro für zwei Personen Hin- und Rückflug. Da soll einer meckern!

Tag 17: 05. September 2005

Ausklang

Da es gestern Nacht wie wild geregnet und gestürmt hat, laufen wir heute zum Dhoon Glen. Der ist reizvoll, weil der Wasserfall nach all dem Regen richtig schön aussieht. Zurück von der Tour packen wir alle Sachen zusammen. Die letzte Nacht verbringen wir in der Hütte, um morgens ein wenig länger ausschlafen zu können. Die Fähre wird um 7:45 Uhr gehen. Ich schau lieber zweimal auf die Tickets.

Wir fahren anschließend noch einmal nach Ramsey. Jetzt, ein paar Tage nach den Rennen, ist die Stadt wie ausgestorben. Die Zeitung berichtet, dass dieser Manx Grand Prix der tragischste überhaupt war: es kamen sechs Fahrer und mindestens zwei Touristen und Zuschauer ums Leben. Die Reporter schieben es auf das gute und sonnige Wetter, die Rundenzeiten waren diesmal sehr schnell.

Abends gehen wir noch zu Pam und Les. Sie haben gerade Besuch, bitten uns aber trotzdem rein. Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile sehr nett mit den Anwesenden. Pam hat selbstgebrauten Beerensaft mit Gin – lecker, und wirkungsvoll!

Tag 18: 06. September 2005

Abschied von der Isle of Man

6.00 Uhr: Der Wecker klingelt. Sofort (6.15 Uhr) springen wir auf und machen uns bereit für die Abfahrt. Morgens um diese Zeit ist es noch recht neblich auf den Straßen und unsere Brillen und Visiere beschlagen fürchterlich.

Die Fähre kommt pünktlich und wir schippern gemütlich Richtung Heysham. In Lancaster fahre ich erstmal gute 30 km in die falsche Richtung, dafür aber mit neuer Taktik: Mit 90 Sachen hinter den LKW geklemmt erreicht man Verbrauchswerte, bei denen man schon an Perpetuum Mobiles glauben möchte. Nachmittags kommen wir an unserem Campingplatz in Birmingham an.

Tag 19: 07. September 2005

Birmingham National Motorcycle Museum

Der Campingplatz ist echt schön, nur die Geräuschkulisse neben der Autobahn stört etwas. Wir zahlen den Backpackerpreis und auch nur noch Nebensaison. Ich glaube so billig sind wir bislang nicht untergekommen. Das Frühstück besteht aus dem leckeren und sicher sehr gesunden »Mr. Kippling’s Exceedingly Good Manor House Cake«;.

Die Reparatur unserer Lampen, die geklappert haben, funktioniert tadellos. Beide Lampen klappern nicht mehr. Kiks Lampe hat zudem auch sämtliche anderen Funktionen eingestellt.

Unser Tagesausflug geht zum National Motorcycle Museum. Klar, Birmingham ist die Heimstätte von BSA, sicher die häufigste Motorradmarke, die wir auf der Isle of Man gesehen haben. Das Museum ist 2003 abgebrannt und wird seitdem wieder aufgebaut. Zu bestaunen gibt es schon wieder einiges, manche Exponate kamen als Spenden aus aller Welt. Im Museum treffen wir auf zwei Deutsche, die mit BMW und Enfield Diesel unterwegs sind.

Die beiden kommen gerade von einer Tour durch Irland zurück. Der Enfieldfahrer flucht, dass hier Diesel mehr kostet als Super. Den Abend verbringen wir in einem netten Pub namens »Dog & Doublet«.

Tag 20: 08. September 2005

Ace Cafe

Völlig erschrocken stehe ich auf. Es hat geschneit! Mitten im Sommer und noch dazu im Zelt. Ich sollte mir wirklich mal wieder die Haare waschen! Nach dem obligatorischen Frühstück geht es auf die Autobahn. Wir müssen vorankommen, für kleine Sträßchen bleibt leider keine Zeit. Nach wenigen Metern fahre ich links an den Randstreifen. Ich halte es echt nicht länger aus. Als Junge ist man in solchen Situationen gut dran. Kik hasst mich dafür. Kurz darauf (ca. 3 Stunden später) darf dann auch sie an einer Raststätte. Kik ist schon blau angelaufen, zum Schimpfen reicht es nicht mehr.

Unser Campingplatz heißt Theobald’s Park und liegt im nördlichen London bei Enfield.  Man muss hier wirklich aufpassen, dass man nicht über einen der tausend Hasen fährt. Die Duschen dort (meine Haare hatten’s ja nötig) sind auf Kneipp-Spezial eingestellt. Sie    wechseln die Wassertemperatur harmonisch, aber nicht gleichmäßig. So kommt jeder Muskel, auch der Stimmmuskel beim Schreien, zum Einsatz. Im Berufsverkehr schlängeln wir uns über die North Circular zum Ace Cafe. Ich finde die richtige Ausfahrt wie immer auf Anhieb [Jaja… ihr wisst schon. Erstunken und erlogen!]. Dort angekommen, soll in der Nacht Italian Bike Night sein. Also dürfen nur italienische Marken vorne stehen. Mark Wilsmore, Besitzer des Ace Cafe, fragt uns, ob das unsere Maschinen da vorne sind. „Ja, das sind unsere italienischen Yamahas“ antworte ich. Es hilft nichts, wir müssen die SRs wegschieben. Dafür machen wir noch ein lustiges Bild mit ihm. Das hat bestimmt sonst keiner. Na gut, vielleicht ein- oder zweitausend andere…

Beim Ace Cafe sehen wir tatsächlich noch eine weitere SR 500. Aus Schweden. Briten mögen die Dinger einfach nicht. Nach einem üppigen Burger fahren wir zurück zum Campingplatz. Kiks Lampe funktioniert noch immer nicht, da muss man nicht nachts in London rumgurken.

Tag 21: 09. September 2005

Kik im Wunderland

Unser heutiges Etappenziel liegt in der Nähe von Southampton. In dem kleinen Örtchen Netley Marsh gibt es einen großen Teilemarkt für klassische Motorräder. Wir versuchen den hiesigen Campingplatz zu erreichen, verfahren uns stattdessen und landen in einem verwunschenen Wald, in dem Kühe, Pferde und alle möglichen Tiere wild umherlaufen, Eichörnchen ohne Scheu ans Motorrad wuseln und Hasen das tun, was sie am besten können.

Wir finden nach einigem Suchen einen Campingplatz. Unsere Ansprüche sind nicht hoch, aber wenigstens eine Toilette hätten wir schon erwartet. Also lieber wieder zurück und einen anderen Platz suchen. Wir finden auch einen ziemlich großen, ganz in der Nähe, auf dem wilde Ponys herumlaufen. Weil die Biester, genau wie Pferde auch, beißen und treten, mag ich sie am liebsten als Salami. Kik meint irgendwann: „Nicht bewegen, dann kommt vielleicht mal eins näher“. Von wegen! Gleich zwei kommen, lassen sich von meinem Gefuchtel nicht beeindrucken und gehen schnurstracks auf alle Tüten los, wo irgendwas Essbares zu vermuten wäre.

Der Teilemarkt ist groß und eher was für Leute, die schon immer die Karbitlampe Modell 7C der 1927er Kraiowala Plus gesucht haben und dafür auch bereit sind, 150 Pfund auszugeben. Traurig stimmt uns der Anblick des SR-Motors mit der Nummer 90. Wäre der Rahmen dabei gewesen, hätten wir sofort zugeschlagen. Aber nur der versiffte Motor ist es uns dann doch nicht wert. Zum Glück! Die Nummer 90 gab es nie … oder wenn, dann nur als Prototyp. Die Lampe, die ich wollte, kaufe ich nicht. Preise zwischen 35 und 100 Pfund zeigen mir schnell, dass ich schon genau wissen muss, was ich will und wieviel das tatsächlich wert sein darf.

Wir finden an einem Stand eine Wand mit Patches. Einer davon, ziemlich ausgeblasst, zeigt Mork vom Ork – Original von 1979. Ich schaue den Verkäufer fragend an: „Wer bitte schön kauft so einen Scheiß?“ Er zeigt auf Kik, die ihm bereits das Geld dafür entgegenstreckt.

Anschließend fahren wir ins Verkehrschaos nach Lyndhurst. Dort steht eine hübsche alte Kirche. Kik will natürlich sofort wieder auf den Friedhof. Na gut! Dort finden wir zufällig das Grab von Alice im Wunderland. Und eine Treppe aus alten Grabsteinen. Die spinnen, die Briten!

Tag 22: 10. September 2005

Brighton

Die Nacht war äußerst unterhaltsam. Wenn ich doch schon weiß, dass ein kleines Kind die Nacht durchschreit, muss ich es denn unbedingt mit auf einen Campingplatz schleppen? Ich versteh‘ das nicht. (Jahre später versteh ich das dann sehr gut.) Als es irgendwann gegen 3 Uhr nachts ruhiger wird, höre ich Eichhörnchen, die Nüsse knacken. Kein gutes Geräusch.

Der Tag beginnt, wie die Nacht aufhört: ungemütlich. Es regnet leicht, als wir unsere Sachen packen und nach Beaulieau (bei uns kurz Beule genannt) zum Motor Museum fahren. Da will gerade jeder hin, weil Teilemarkt ist – diesmal für Autos. Wir müssen ewig laufen, obwohl wir doch gar nicht zum Teilemarkt, sondern ins Museum wollen. Der Eintritt für den Teilemarkt kostet stolze 11.50 Pfund. Wir wollen doch aber nur ins Museum! Ehrlich! Wir fragen   an der Rezeption: Entweder Teilemarkt und Museum, oder gar nichts. Die Rezeptesse sagt dann noch schmunzelnd dazu, dass es nur heute 11.50 kostet. Normalerweise kostet das Museum alleine 15 Pfund. Na schönen Dank!

Ohne Museum und Teilemarkt fahren wir weiter nach Brighton. Wir finden einen großen Campingplatz, nicht von unserem Club, aber direkt in Brighton. Da heute und morgen auch noch der Burn-Up stattfindet, erfinden die Besitzer Phantasiepreise. Wir sind genervt und zahlen die 23 Pfund – für eine Nacht. Unsere Parzelle liegt am Hang. Es ist der zweitletzte, halbwegs vernünftige Platz. Nach uns kommen noch ein paar Zelter, die für denselben Preis schon Schräglagen jenseits 45 Grad in Kauf nehmen müssen, um ihr Zelt aufzubauen.

Anschließend geht’s nach Brighton an die Promenade. Dort sind gerade die Autorennen  im Gange – Beschleunigungsrennen über die Viertelmeile. Mich interessiert das gerade nur am Rande. Mein Kreislauf schreit nach einem Doppel-Cheeseburger mit Pommes und Cola. Wir schlendern über den Jahrmarkt am Pier, bevor wir das Ende der Motorradrennen anschauen. Die Endgeschwindigkeiten der Dragster hier liegen mit knapp 170 Meilen pro Stunde (etwa 270 km/h) deutlich über denen des Sprintrennens in Ramsey.

Tag 23: 11. September 2005

Brighton Burn-Up

Der Morgen beginnt mit Nieselregen, das kleine Kind nebenan schreit. Hektisch beginnen unsere Zeltnachbarn ihre Zelte abzubauen. Wir sehen das ganze etwas gemütlicher. Nass ist das Zelt ohnehin schon (noch).

Mit den voll bepackten Motorrädern fahren wir zum Brighton Pier, der heute allein den Motorrädern gehört – und den Fußgängern. Wir brauchen über eine halbe Stunde, um uns im Gedränge der Menschenmassen einen Parkplatz zu suchen. Da es heute morgen etwas kühler aussah, haben wir uns beide entsprechend warm eingepackt. Wir bereuen das just in diesem Moment. Es wird sehr schnell sehr warm.

Beim Rumlaufen entdeckt Kik Bekannte wieder, die sie letztes Mal beim Brighton Burn-Up kennengelernt hat. Um 13 Uhr geht es los noch Folkestone, wo unser letzter Campingplatz liegt. Wir fahren die landschaftlich schöne Küstenstraße, die sich allerdings auch ziemlich zieht. Als wir durch Hastings fahren, beschließen wir, nächstes Mal hier auch noch Halt zu machen. Sieht aus wie eine Touri-Hochburg, hat aber irgendwie was. Da gibt es eine Menge zu sehen. Für heute reicht die Zeit nicht aus.  Gegen halb fünf finden wir endlich den Platz und beschließen, wenigstens einmal noch im Meer zu baden. Das Wasser sieht schön aus, ist aber schweinekalt. Egal, jetzt wird gebadet!

Unsere Campingnachbarn sind schwer beeindruckt, in welcher Geschwindigkeit wir das Zelt aufbauen können. Ja, wir hatten auch genug Zeit zum Üben. Ein kleiner Schreck überkommt uns noch: der Zeltplatz schließt abends und macht erst um 7 Uhr wieder auf! Da wir vorsichtige Planer sind, wollten wir schon um 6 Uhr losfahren. Der Campingplatzbesitzer beruhigt uns aber: Dover kann man in 15 Minuten erreichen. Kein Problem also.

Tag 24: 12. September 2005

Nach Hause

Heute geht es nach Hause. Wir stehen pünktlich um 6 Uhr morgens auf und bauen das Zelt ab. Alles fest verzurrt können wir um 7 Uhr den Platz verlassen. Der Besitzer erklärt uns noch, wie wir fahren müssen: nur nicht den Schildern nach! So etwas hab ich mit meiner Schildererfahrung in GB schon vermutet. Wir folgen seinem Rat und sparen tatsächlich einiges an Strecke.

Letztes Mal dachte ich noch, dass ich das Gewirr der Hafenauf- und -abfahrten alleine nie verstehen werde und mich tausendmal verfahre. Aber eigentlich ist es ganz einfach. Wir müssen gerade mal 10 Minuten warten, bis wir aufs Schiff dürfen. Dort gibt es eine Riesentoblerone zu kaufen. Aber für 30 Pfund ist es das nicht wert.  Die Fahrt zieht sich einigermaßen hin und die Umstellung auf Rechtsverkehr ist auch schnell wieder eingeübt.

Die Rückfahrt gestaltet sich noch einmal spannend. Aus Kostengründen entscheiden wir uns, die LKW-Windschatten-Taktik zu verwenden. Bei Luxemburg ist der Tank noch so voll, dass es sich nicht lohnt hier zu tanken. Dummerweise kommt danach ewig keine Tankstelle.

Kurz vor Karlsruhe dann endlich das erlösende Schild »Tankstelle« Wir sind beide noch nicht auf Reserve, haben aber schon über 270 km auf der Uhr. Der Verbrauch ist damit bei sagenhaften 3,3 Litern auf 100 km angekommen.

Um 20 Uhr kommen wir in Stuttgart an, essen eine Pizza, gehen in die Badewanne und fallen ziemlich erschöpft ins Bett. Wieder zu Hause!

Insgesamt sind wir auf der Tour knapp 4500 km gefahren.